Einsatzübung im Herrentunnel bestätigt Sicherheit

„Feuer im Herrentunnel nach Verkehrsunfall, mehrere Verletzte, 
unklare Lage“. So lautete die Alarmierung für die rund 65 
Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst am 
vergangenen Sonnabend, 24. November 2018, um 20.15 Uhr. Aus 
verschiedenen Richtungen machten sich die Blaulichtfahrzeuge von 
ihren Standorten aus auf den Weg zum Herrentunnel, um dort Hilfe zu 
leisten. Am Unfallort angekommen galt es, eingeklemmte Personen aus 
ihren Fahrzeugen zu befreien, die Patienten medizinisch zu versorgen 
und einen Fahrzeugbrand in einem Tunnel zu löschen. Zum Glück war 
dies nur eine Einsatzübung unter möglichst realistischen Bedingungen.

  Eine Übung dieser Art sieht die Richtlinie für die Ausstattung und
den Betrieb von Straßentunneln (RABT) für Tunnelbauwerke ab einer 
Länge von 400 Metern in regelmäßigen Abständen vor, damit die 
Betriebssicherheit für die Nutzer weiterhin gewährleistet ist. Ziel 
der Übung ist es, die Zusammenarbeit zwischen dem Betreiber und der 
Berufsfeuerwehr, den Freiwilligen Feuerwehren, den 
Hilfsorganisationen und den Behörden im Rahmen der Gefahrenabwehr zu 
trainieren.

  „Der Einsatz wurde innerhalb von rund 90 Minuten erfolgreich 
abgearbeitet und die bestehenden Konzepte sowie die neue 
Gebäudefunkanlage haben einwandfrei funktioniert. Auch das 
Zusammenspiel mit allen beteiligten Hilfsorganisationen, Behörden und
dem Tunnelbetreiber wurde hier erneut überprüft. Wir haben mehrere 
Übungsbeobachter aufgestellt. So ist es uns nun im Nachgang möglich, 
etwaige Anpassungsbedarfe unserer Konzepte zu erkennen und 
anschließend im Rahmen einer Überarbeitung umzusetzen“ so Christoph 
Funk, Übungsleiter der Feuerwehr und zuständig für die Einsatzplanung
bei der Feuerwehr Lübeck. „Jetzt, am Übungsende, möchte ich mich noch
einmal bei allen Mitwirkenden und Helfern recht herzlich für die 
Unterstützung bedanken“, sagt Sven Brüning, Geschäftsführer der 
Herrentunnel Lübeck GmbH & Co.KG.

  Am Samstagabend wurde zunächst nur die Südröhre für den Verkehr 
gesperrt. Ab 20 Uhr war dann für ca. 2,5 Stunden der gesamte Tunnel 
nur noch für Einsatzfahrzeuge passierbar. Dies auch aus gutem Grund, 
wie Funk erläutert: „Bei größeren Schadensereignissen erfolgt auch im
Realfall die Vollsperrung des Tunnels. Sinn einer Übung ist es ja, 
das Szenario so realitätsnah wie möglich zu gestalten, um das 
bestehende Einsatzkonzept für den Herrentunnel zu testen und die 
eingesetzten Kräfte zu fordern.“ In enger Abstimmung zwischen der 
Betreiberfirma sowie der Feuerwehr und der Polizei konnte die Übung 
erfolgreich absolviert werden, sodass ab ca. 23 Uhr wieder beide 
Tunnelröhren für den Verkehr freigegeben waren.

  Für den Gefahrenfall sind speziell auf den Herrentunnel 
abgestimmte Handlungsabläufe für unterschiedliche Notfälle mit den 
Einsatzdiensten festgelegt. Die RABT sieht vor, dass diese 
Handlungsabläufe regelmäßig unter möglichst realistischen Bedingungen
geübt werden. Die erste Großübung im Herrentunnel fand noch vor 
dessen Eröffnung im August 2005 statt. Zwischenzeitlich erfolgte eine
weitere und zwei reale Ereignisse (Lkw mit geplatztem Kühler und 
extremer Wasserdampfentwicklung sowie ein Pkw-Brand) wurden im 
Nachhinein gemäß der RABT als Ersatz für Vollübungen gewertet. Anfang
2017 fand als letzte Übung eine Anfahrtsübung der Feuerwehr Lübeck 
statt. Dabei wurde die Anfahrt der Einsatzkräfte zu beiden 
Tunnelportalen und des Einsatzleitdienstes zur Tunnelleitwarte, die 
Lageerkundung des Einsatzleitdienstes im Tunnelleitstand sowie die 
Einsatz-Taktik hinsichtlich Angriffsweg, Entrauchung, Kräfteansatz, 
Wasserversorgung und Evakuierung über Querschläge anhand des 
Szenarios „Klein-Lkw bleibt mit brennendem Hinterrad im Tunnel 
stehen“ geübt.

  Neben den Vollübungen sind lt. RABT ebenfalls regelmäßig 
Teilübungen durchzuführen. Sie dienen hauptsächlich zur Überprüfung 
der Kommunikationswege, zur Übung der Anfahrtswege und der Nutzung 
der Sicherheitsausstattung. Darüber hinaus werden die Betriebs- und 
Sicherheitseinrichtungen des Herrentunnels zweimal im Jahr über eine 
Woche lang nachts unter Sperrung jeweils einer Tunnelröhre gewartet 
und gereinigt. Diese Wartungswoche wird in der Regel von 
Einsatzkräften genutzt, um ihre Kenntnisse über die Örtlichkeiten 
aufzufrischen beziehungsweise neue Mitarbeiter mit dem Herrentunnel 
vertraut zu machen.

  Unfall im Tunnel – Das ist zu tun! Es zeigt sich immer wieder, 
dass die genaue Ortung eines Ereignisses im Tunnel und damit die 
Einleitung von Hilfsmaßnahmen am schnellsten möglich ist, wenn die 
Tunnelnutzer die Meldeeinrichtungen in den Notrufnischen benutzen und
nicht ihr Mobiltelefon. Notrufe über Mobiltelefone erschweren die 
Standortbestimmung und verzögern gefahrenabwehrende Maßnahmen. Von 
den Notrufnischen aus existiert eine direkte Sprechverbindung zur 
ständig besetzten Tunnelleitwarte. Gleichzeitig wird die diesem 
Bereich zugeordnete Videokamera auf die Monitore der Tunnelleitwarte 
geschaltet und so Sichtkontakt hergestellt. Außerdem kann in der 
Notrufnische über einen Handmelder Feueralarm ausgelöst werden. Die 
Tunnelleitwarte veranlasst die weiteren Maßnahmen.

  Weitere Informationen zu Sicherheit und richtigem Verhalten in 
Straßentunneln enthalten die Broschüren „Sicherheit geht vor – 
Straßentunnel in Deutschland“ und „Richtiges Verhalten im 
Straßentunnel“ der Bundesanstalt für Straßenwesen, die online unter 
www.bast.de abgerufen werden können.

  Hintergrund: Gemäß Konzessionsvertrag für den Herrentunnel im Zuge
der B 104 vom 11. März 1999 zwischen der Hansestadt Lübeck und der 
Herrentunnel Lübeck GmbH & Co. KG ging der Herrentunnel mit der 
Abnahme in das Eigentum und die Straßenbaulast der Hansestadt Lübeck 
über. Ebenfalls gemäß Konzessionsvertrag ist die Herrentunnel Lübeck 
GmbH & Co. KG als Betreiberin des Herrentunnels verpflichtet, das 
Bauwerk während des gesamten Konzessionszeitraumes zu erhalten, zu 
unterhalten und gemäß der einschlägigen technischen Regelwerke zu 
prüfen und zu warten. Die Bauwerksprüfungen werden nach DIN 1076 
durchgeführt. Der Tunnelbetrieb, insbesondere die Überwachung, 
Steuerung und Sicherung des Verkehrs, die Überwachung und Steuerung 
der Betriebseinrichtungen, die Reinigung und Erhaltung erfolgen, 
soweit sie nicht von der DIN 1076 abgedeckt sind, gemäß der 
Richtlinien für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln 
(RABT). Zur Erhöhung der Verkehrssicherheit dürfen 
Gefahrguttransporte den Herrentunnel zu keinem Zeitpunkt benutzen. 
Der Herrentunnel gehört nach der schleswig-holsteinischen 
Fahrwegbestimmung nach der Gefahrgutverordnung Straße, Eisenbahn und 
Binnenschifffahrt (GGVSEB) zum Negativnetz. Grund hierfür sind vor 
allem die Steigungsverhältnisse im Herrentunnel.